Die Jahrestagung des Europäische Drachenflug- und Gleitschirmverbands
(European Hang Gliding and Paragliding Union) fand Ende Februar am Tegernsee statt.
Der DHV-Vorsitzende Charlie Jöst hatte in seiner Funktion als EHPU-Präsident die
Präsidenten und Geschäftsführer der europäischen Verbände nach Deutschland eingeladen.
Eine schöne Gelegenheit für den DHV, sich als guter Gastgeber zu präsentieren und sich im
Namen aller deutschen Piloten für die Gastfreundschaft zu bedanken, die wir beim
Gleitschirmfliegen und Drachenfliegen im europäischen Ausland genießen dürfen. Da der
EHPU inzwischen 18 Nationen angehören und die EHPU-Präsidentschaft jeweils im
Jahresturnus zum nächsten Land wechselt, wird diese Gelegenheit erst wieder in 18 Jahren
bestehen. Der DHV hat seine Chance gut genutzt. Die Präsidenten und Geschäftsführer
Europas zeigten sich bei einer Präsentation der DHV-Arbeit in der Geschäftsstelle
beeindruckt und sie haben sich begeistert über die Europatagung und das
Rahmenprogramm am Tegernsee geäußert. Sie werden Deutschland in guter Erinnerung
behalten.
Vor ca. 10 Jahren ist die EHPU gegründet worden, damit die Gleitschirmflieger und
Drachenflieger Europas auf das Europäische Gesetzgebungsverfahren mit einer
einheitlichen Stimme einwirken können. Der DHV hatte sich damals stark dafür eingesetzt.
Denn, um die Freiheit unseres Sportes zu erhalten, ist es erforderlich, rechtzeitig auf das
Europäische Parlament, auf die Europäische Kommission und auf das Europäische Luftamt
EASA sowie Eurocontrol einzuwirken. Stehen ärgerliche Vorschriften erst einmal im Raum,
bleibt der dann verspätet einsetzende Protest meist wirkungslos.
Schon vor Gründung der EHPU hatte der DHV-Geschäftsführer Klaus Tänzler an der
Koordination aller Flugsportarten in Europa unter dem Dach von Europe Airsports mitgewirkt.
Als Vorstandsmitglied von Europe Airsports hatte er zum Aufbau dieses Europäischen
Dachverbandes beigetragen, in dem heute die nationalen Aero Clubs Europas und die
Europäischen Fachverbände der verschiedenen Luftsportarten vereint sind. Die EHPU ist
Mitglied bei Europe Airsports. Die europäischen Drachenflieger und Gleitschirmflieger
erreichen auf diese Weise, dass die Belange unseres Sports mit den Initiativen der anderen
Luftsportarten koordiniert und gemeinsam bei den europäischen Gremien vertreten werden.
Wichtigster EHPU-Erfolg ist, dass unser Sport auch künftig vom europäischen
Gesetzgebungsverfahren ausgeklammert bleibt. Die nationalen Regierungen bleiben in ihren
Ländern zuständig. "Dies ist zumindest für die nächsten 5 Jahre gesichert", erläuterte Rudi
Schuegraf, der den Luftsport in zahlreichen europäischen Regierungsgremien vertritt. Das
Gastfliegen ist für Gleitschirmflieger und Drachenflieger in Europa dennoch kein Problem. In
den meisten Staaten Europas bieten die nationalen Regelungen unserem Flugsport viel
Freizügigkeit und sie werden der Vielfalt der verschiedenen Flug-Regionen gerecht. Im
Gegensatz dazu hat, z.B. beim Segelflug, die europäische Vereinheitlichung nationaler
Regelungen zu sehr restriktiven zentralen europäischen Vorschriften geführt.
Für uns bleibt die Freiheit im Luftraum eine große Sorge. Ursprünglich wollte Eurocontrol
nicht nur die Vorschriften für den oberen Luftraum vereinheitlichen sondern auch die für den
unteren Luftraum, in dem wir unsere Streckenflüge durchführen. Das europäische Projekt
"Single Sky" drohte unsere Freiheit im Luftraum drastisch einzuschränken. EHPU-Airspace-
Officer Chris Borra berichtete, dass auch diese Gefahr vorerst abgewendet ist.
So konnte sich die EHPU-Tagung anderen Problemfeldern zuwenden. In mehreren Ländern
Europas gibt es bedrohliche Initiativen von Naturschützern und Jägern, die nach
behördlichen Einschränkungen unseres Sports rufen. Die EHPU hat beschlossen, die
einschlägigen Studien und Untersuchungsergebnisse aus allen Ländern zentral zu sammeln
und allen EHPU-Mitgliedern zur Verfügung zu stellen, um von erfolgreichen Beispielen zu
lernen.
In Deutschland arbeitet der DHV seit 1992 im Kuratorium Sport und Natur (3 Millionen
Natursportler) an zentraler Stelle mit. Hier ist es zusammen mit Spitzenpolitikern gelungen,
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das Verständnis zwischen Naturschutz und Natursport zu verbessern und Restriktionen
abzuwehren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in ein neues Strategiepapier
der EHPU einfließen. Der DHV-Fachmann Björn Klaassen wird den EHPU-Environmental-
Officer Thomas Senac tatkräftig unterstützen.
Der DHV-Sicherheitsreferent Karl Slezak informierte die EHPU-Tagung über die neuen
deutschen gesetzlichen Lufttüchtigkeitsforderungen LTF, die im Vergleich zur Europäischen
Gleitschirm Norm wichtige sicherheitsrelevante Verbesserungen beinhalten. Angus
Pinkerton, Leiter des EHPU-Subcommittes Airworthiness, wird diese Verbesserungen bei der
anstehenden Revision der Europäischen Norm berücksichtigen.
Die EHPU-Jahrestagung befasste sich auch erneut mit der mangelnden Flugsicherheit bei
internationalen Wettkämpfen. Im letzten Jahr hatte sich der EHPU-Präsident Charlie Jöst
deswegen an den Weltverband FAI/CIVL gewandt, in einem offenen Brief, von allen EHPUMitgliedern
unterzeichnet. Beim Drachenfliegen geht die FAI/CIVL inzwischen gegen das
lebensgefährliche Herunterdrehen der Flügelschränkung vor. Aber beim Gleitschirmfliegen
blieb die Situation unverändert kritisch. Bei der letzten Gleitschirm-WM in Mexiko hatte es
einen Todesfall, schwere Verletzungen und an die 20 Rettungsschirm-Öffnungen gegeben.
Die daraufhin eingesetzte FAI/CIVL-Arbeitsgruppe blieb ergebnislos. Bei der bevorstehenden
Gleitschirm-EM dürfen wieder gänzlich unerprobte und ungeprüfte Gleitschirm-Prototypen
zum Einsatz kommen.
Die EHPU beschloss deshalb einstimmig, sich erneut an die FAI/CIVL zu wenden, um zu
fordern, dass bei FAI-Wettkämpfen nur mehr geprüfte Flügel eingesetzt werden dürfen und
dass die Aufgabenstellung bei Wettkämpfen den Eigenheiten des Gleitschirms besser
Rechnung trägt. Folgende Resolution des EHPU-Subcommittees Safety and Training ist von
der EHPU-Jahrestagung einstimmig bestätigt worden:
"Piloten, die an organisierten Wettkämpfen teilnehmen, sollen ausschließlich geprüfte Flügel
nutzen. Es ist höchste Zeit, dass die Aufgabenstellung sich ändert. Es erscheint besonders
gefährlich, dass die Aufgaben stets darauf basieren, wie schnell der Pilot seinen Flügel
fliegen kann. Außerdem ist festzustellen, dass die Piloten selbst zu viel Einfluss auf die
Strukturierung des Wettkampfs haben. Wir kennen keinen anderen Sport, in dem die
Wettkämpfer selbst fast gänzlich die Art des Wettkampfes diktieren können. Wir verstehen
das Bedürfnis der Piloten ein Stimmrecht zu haben, die Gestaltung des Wettkampfes sollte
ihnen aber nicht allein überlassen werden."
Weitere Tagungsergebnisse sind überarbeitete EHPU-Positionspapiere für sinnvolle
gesetzliche Regelung unseres Sports und für die Nutzung des Luftraums. Sie dienen den
nationalen Verbänden bei Verhandlungen mit ihren nationalen Gesetzgebern. Marion Varner
informierte darüber, dass ausländische Flugschulen ihre Schulungstätigkeit in Frankreich
behördlich genehmigen lassen müssen. Das EHPU-Subcommittee Safety and Training ist
dabei, die unterschiedlichen nationalen Vorschriften für Flugschulen zusammen zu stellen.
Luca Basso informierte über positive Erfahrung mit dem Einsatz von Livetracking in
italienischen Wettkämpfen und rief die nationalen Verbände dazu auf, sich bei der
Anschaffung von Livetracking-Systemen möglichst zu koordinieren, um Kosten zu sparen.
Beim Abschluss der Tagung ging die EHPU-Präsidentschaft an Ungarn über. Die nächste
EHPU-Jahrestagung wird am 19. Februar 2011 in Budapest stattfinden.